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Berufssprache Deutsch » Leitgedanken für den Unterricht

Sprache wird in der Interaktion durch sprachliches Handeln gelernt.

Berufssprache Deutsch folgt dem Ansatz der integrierten Sprachförderung, dem Prinzip der sprachsensiblen Unterrichtsgestaltung und einem handlungsorientierten Modell von Sprachbildung.

Jede Unterrichtseinheit setzt ein zentrales Sprachhandlungsprodukt (z. B. fachliche Erläuterung, Kundenberatung, Dokumentation beruflicher Tätigkeiten, Telefonbewerbung, Produktpräsentation) zum Ziel und ist nach dem Prinzip der vollständigen Handlung aufgebaut. Das hier angewandte Prinzip der vollständigen Handlung aus der Berufspädagogik folgt den Phasen orientieren, informieren, planen, durchführen, präsentieren, dokumentieren, bewerten und reflektieren. In jeder Phase wird sprachliches Handeln ermöglicht und unterstützt, um durch möglichst hohe Lernerautonomie (selbstständiges Handeln) die Motivation für das Sprachenlernen zu erhöhen.

Im Unterricht unterstützt die Lehrkraft jede Phase des Handlungsprozesses bedarfsgerecht, kontinuierlich und zielgerichtet. Dazu wählt sie zielgruppengerecht die passende Differenzierungsstufe aus. Je höher der Unterstützungsbedarf, desto deutlicher tritt die Lehrkraft in den Vordergrund (u. a. durch Impulse, Anleitung zum kooperativen Lernen, Angebote an Methoden, Strategien und Arbeitstechniken, Vorstrukturierung etc.).

Auf diese Weise wird also fachliches mit sprachlichem Lernen verknüpft, indem sprachlich-kommunikative Kompetenzen einfordert werden und gleichzeitig der sprachliche Lernprozess gezielt durch Methoden, Strategien und Arbeitstechniken unterstützt wird. So kann eine integrierte Sprachförderung, die an den Inhalten der Lehrplanrichtlinien bzw. der Fachlehrpläne der beruflichen Fachrichtung orientiert ist, gelingen.

Die 4 Bausteine der Sprachbildung

Sprachhandeln

Ausgangspunkt für die Unterrichtsgestaltung ist eine berufliche Handlungssituation bzw. eine berufliche Aufgabenstellung mit einer sprachlichen Anforderung. Die sprachliche Anforderung ergibt sich aus der betrieblichen Situation bzw. aus handelnden betriebsrelevanten Personen. Die Lernsituation erfordert sprachliches Handeln und Lernen. Die Schülerinnen und Schüler erkennen, dass Sprache notwendig ist. Die Schülerin oder der Schüler wird in der Lernsituation direkt angesprochen und agiert in ihrer oder seiner eigenen Rolle als Auszubildende oder Auszubildender mit authentischen Adressaten und Adressatinnen. Auf diese Weise ist ein Berufs- und/oder Lebensweltbezug gegeben.

Tipp:

Weitere Informationen zur Umsetzung von sprachlichen Lernzenarien im Unterricht und ein Unterrichtsbeispiel finden Sie in der Umsetzungshilfe zum Unterrichtsprinzip Berufssprache Deutsch auf den Seiten 26 bis 50.

Sprachsensible Unterichtsgestaltung

Die sprachliche Anforderung ist Leitmotiv für die Ausgestaltung der Lernumgebung. Diese ermöglicht den Schülerinnen und Schülern selbstgesteuertes und handlungsorientiertes Handeln. Dieses Handeln bedarf immer einer bedarfsgerechten, kontinuierlichen und zielgerichteten Unterstützung der Lernenden durch die Lehrkraft (vgl. Methoden, Strategien und Arbeitstechniken). Die Lehrkraft fördert durch eine angepasste Unterrichtsplanung, die die Aspekte Förderung und Forderung berücksichtigt. Zudem werden sprachliche Hilfen gestuft angeboten und die Zusammensetzung der Lernergruppe bzw. die Zielerwartung berücksichtigt.

Tipp:

In den Materialien zur Sprachbildung in der Praxis finden Sie Methodenskripte mit einer Auswahl an Methoden, Strategien und Arbeitstechniken.

Sprachsensible Unterrichtssprache

Im Unterricht werden durch sprachsensible Aufgabenformulierung schwierige sprachliche Strukturen aufgelöst, um ein besseres Verständnis der Aufgabentexte zu ermöglichen. Wichtig ist dabei, dass keine fachspezifischen Wörter oder Konstruktionen, die für das Fachlernen wichtig sind, vermieden oder gar gelöscht werden. Es bedeutet auch nicht, dass die Aufgaben vereinfacht werden sollen. Vielmehr sollen Handlungsaufträge einheitlich und verständlich formuliert sein. Wesentliches Prinzip eines sprachsensiblen Verhaltens ist die Anwendung eines lösungsorientierten Feedbacks, durch das Stärken ausgezeichnet und auf Kriterien bezogen Verbesserungsvorschläge formuliert werden.

Tipp:

In den Materialien zur Unterrichtsgestaltung finden Sie Hinweise zur Formulierung von sprachsensiblen Aufgabenstellungen.

Förderschwerpunkte

Jede Unterrichtsphase wird hinsichtlich der sprachlichen Anforderung methodisch-didaktisch an die Lerngruppe angepasst; Hilfestellungen werden differenziert und niveauspezifisch angeboten. Besonders die Prinzipien der Binnendifferenzierung z. B. hinsichtlich der Aufgabenstellung, der Art des Lernprodukts oder des Lerntempos und der Ansatz des kooperativen Lernens ermöglichen eine individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler: Sie nutzen Heterogenität als Potenzial. Die Förderschwerpunkte werden gezielt und gemeinsam von allen Lehrkräften für eine Lernergruppe festgelegt. Dazu wird eine Didaktische Jahresplanung erstellt.

Tipps:

Hier erhalten Sie Anregungen für einen binnendifferenzierten Unterricht: ISB-Handreichung Innere Differenzierung an beruflichen Schulen - konkret

Hier sind allgemeine Hinweise zur Erstellung der Didaktischen Jahresplanung enthalten: ALP/ISB-Handreichung Didaktische Jahresplanung.

Handlungsorientierung in der Sprachbildung durch Lernszenarien

Sprache wird in der Interaktion durch sprachliches Handeln gelernt (vgl. Leitgedanken für den Unterricht). 

In der Praxis bedeutet dies, dass den Schülerinnen und Schülern im Unterricht sprachliches Handeln ermöglicht wird:

Die Basis des Unterrichts stellt eine Lernsituation mit einer beruflich relevanten Situation oder mit Bezug zum Alltag (vgl. Lernzenarien für die Berufsintegration) dar. Die Lernsituation fordert damit ein betriebs- oder alltagsrelevantes Sprachhandlungsprodukt. Dieses Produkt ist Leitmotiv für die Ausgestaltung der Lernumgebung. Das gewählte Sprachhandlungsprodukt soll also plausibel hinsichtlich der gewählten Situation und hinsichtlich des (Fach-)Wortschatzes sein. Zur Prüfung eignet sich hier das Sender-Nachricht-Empfänger Modell: So kann die Nachricht beispielweise ein Gespräch zwischen zwei fachlich ebenbürtigen Partnern oder zwischen einem Experten (Sender: die/derAuszubildende) und einem Laien (Empfänger: Kundin/Kunde) sein. Es sind vielfältige Nachrichten (Sprachhandlungsprodukte) denkbar, diese ergeben sich aus der betrieblichen Praxis der/des Auszubildenen. Für Schülerinnen und Schüler in Berufsintegrationsklassen gilt das Prinzip entsprechend, die Nachrichten stellen hier alltagsrelevante Sprachhandlungsprodukte dar. Die Schülerin oder der Schüler wird in der Lernsituation direkt angesprochen und agiert in ihrer oder seiner eigenen Rolle als Auszubildende oder Auszubildender. Die Lernsituation kombiniert also immer eine fachliche und eine sprachliche Anforderung. Die Kriterien zur Formulierung der Lernsituation und der Lernumgebung sind in einer Checkliste zusammengefasst.

Checkliste zur Erstellung von sprachlichen Lernszenarien

Ausgestaltung der Lernumgebung

Es folgt die Didaktisierung der Handlungssituation: Die einzelnen Phasen des Unterichts werden mit authentischen Materialien sowie insbesondere zur Sprachbildung passenden Methoden, Strategien und Arbeitstechniken ausgestaltet. Bei der Ausgestaltung ist auch die Heterogenität der Lernergruppe zu berücksichtigen, die ein differenziertes Vorgehen erfordert. Entlang der vollständigen Handlung wird der Unterricht ausgestaltet, wobei in jeder Phase sprachliches Handeln ermöglich wird. Viele Sprachhandlungen ergeben sich aus dem natürlichen Ablauf der Phasen orientieren, informieren, planen, durchführen, präsentieren, dokumentieren, bewerten und reflektieren. Die Lernumgebung ermöglicht den Schülerinnen und Schülern sowohl autonomes als auch unterstütztes Handeln.

Die folgende Grafik zeigt das Planungsraster für einen differenzierten Unterricht. In dem verfügbaren Unterrichtsbeispiel Ich berate Sie gerne. einer 12. Klasse Kfz-Mechatronikerin/Kfz-Mechatroniker ist die Umsetzung des Unterrichtsprinzips Berufssprache Deutsch exemplarisch erfolgt.